Bio- Discounter / Fluch oder Segen?
Im ruinösen Einkauf besteht eine der Gefahren, die von den Discountern (und auch den Bio- Discountern) ausgeht. Der Einkaufspreis orientiert sich nicht am Bedarf der Erzeuger, noch werden Abnahmegarantien geleistet, und wer nicht billig genug produziert, also rationalisiert, fliegt raus.
Doch dass war noch nicht alles, mit den Problemen.
Die Spannen werden mit Menge reduziert, aber nicht auf Kosten des Gewinnes. Das Geheimnis liegt in der Beschränkung auf ein Mini-Sortiment von bis zu 1000 Artikeln und dem Verzicht auf jeden Schnickschnack, der nicht tatsächlich mit Warenwert zu tun hat. Unglaublich, wie die Stückkosten sinken, wenn man statt 5.000 nur 500 Artikel führt.
Grosse Discounterketten können tatsächlich billig: Sie haben ihre eigenen Kosten radikal reduziert und ermöglichen auch ihren Lieferanten durch Konzentration auf wenige, mengenstarke Artikel eine echte und durchschlagende Kostensenkung (ohne Qualitätsverlust, innerhalb einer konventionellen Definition von Qualität).
Voraussetzung ist natürlich eine Grösse wie Aldi sie hat, davon werden Bio- Discounter im kommenden Jahrzehnt nur träumen können.
Das Problem: An den Preisvorgaben der Discounter müssen sich alle anderen Anbieter messen, auch die, die mehr als 500 Artikel führen und daher viel höhere Kosten haben. ALDI (z.B.) drückt den Einkaufs-Preis, und EDEKA (z.B.) oder der Naturkosthandel , muss ein gleiches tun, um mit ALDI preislich zu konkurrieren, weil Vielfalt, Frische, Regionalität, Service, Beratung und Know- How nun einmal höhere Abwicklungskosten produzieren.
Das ist weniger schade im Falle unterschiedlicher Marken mit industriell hergestelltem, quasi identischem Inhalt, aber sehr schade im Falle regionaler, typischer, individueller, handwerklich hergestellter Proveniencen, die niemals solche Mengen erreichen können und sollen (weil sich der Charakter sonst ändern würde), wie sie für ein System ALDI erforderlich sind.
Könnte man nicht einfach sagen, 700 Artikel sind genug, um die Bevölkerung zu versorgen? Muss denn all diese Vielfalt sein, ist sie nicht Luxus?
Unter den Rahmenbedingungen eines Notstandes hätte dieser Standpunkt sicher einiges für sich. Und die Gründungssituation von ALDI und damit die Erfindung des Discounters als Handelsform spielte sich nicht zufälligerweise in einer, oder doch geprägt durch eine, Notsituation ab: Nachkriegszeit, Inflation, Trümmer, Hunger. 550 Artikel, für jedermann bezahlbar und den täglichen Bedarf grundsätzlich abdeckend, waren eine volkswirtschaftliche, eine durchaus ideell motivierte und begreifbare Grosstat, ein Verdienst um die Bedürfnisse einer notleidenden Bevölkerung. ALDI ist bis heute stolz auf die nachweisbar inflationssenkende, Geldwert stabilisierende Wirkung der ALDI- Niedrigpreise.
In einer Situation, in der Lebensmittelpreise nirgends so niedrig sind wie in Deutschland, gemessen am Wohlstand der Bevölkerung, und ein Lebensmittelmarkt aufgrund fehlender Verdienstmöglichkeiten und wirtschaftlicher Enge von einem Qualitätsskandal in den nächsten taumelt, darf man fragen, ob Discounter nicht mit Vehemenz ein Problem lösen, das längst keines mehr ist und damit andere, ebenso schwerwiegende Probleme verursachen. Überoptimierung nennt man das.
Dies auch mit Blick auf "Bio- Discounter". Hat ein Handelssystem, welches sich wie ALDI auf die Kombination niedriger Preise mit hoher Bio- Qualität verlegt und dies mit der konsequenten Beschränkung des Sortiments und damit der eigenen Kosten realisiert, ein Erfolgspotential?
Auf den gesamten Biomarkt wird ein Preisdruck ausgeübt werden, der zu Industrialisierung und Verringerung von Vielfalt führen kann. Schön, wenn man 550 Artikel günstig kaufen kann. Aber wollen wir unser Leben auf 550 Artikel und deren mehr oder weniger austauschbare Verpackungsvarianten beschränken, selbst wenn diese biologisch angebaut sind? Mit maximalem Rationalisierungs- und Mechanisierungsgrad schon in der Landwirtschaft, Hochleistungszucht, industrialisierter Verarbeitung mit zunehmenden Kompromissen bei Produktionshilfsstoffen und Frische, verschwindender Regionalität und Individualität?
Eine nicht schwer zu beantwortende, in Weltanschauungen hineinreichende Frage.
Durch Bio- Discounter und -Supermärkte können agressive Strukturen entstehen. wie in Köln geschehen, wo jahrelang ein Verdrängungswettbewerb tobt, in dem zuerst die alteingesessenen Bioläden das Handtuch schmissen. Ob "Was die Bäume sagen" oder "Kraut und Rüben", den Kölnern fehlt unwiederbringbar ein Stück Pioniergeschichte, Individualität, Vielfalt.
Das noch fatalere aber ist, dass auch die "Grossen", von Insolvenzen betroffen, eine wahre Einöde hinterlassen. "Herrmannsdorfer"- Biosupermärkte machten Pleite, "Basic" bekam schnell noch eine Finanzspritze, Naturata und Allnatura zeigen sich die Zähne.
Und hier in Bonn? Basic, Denn`s, DM, Aldi, Tengelmann & Co, ein Schlachtfeld?
Von den Pionierbetrieben haben allein wir Momos den Schritt in die Expansion gewagt. Ohne zum "Supermarkt" zu verkümmern.
Dass die filialisierten Kollegen Zusammenarbeit wünschten, wurden wir nicht persönlich gefragt. Dieses Gerücht wird wohl ein Marketinginstrument sein, denn alles was wir davon bislang mitbekamen war gezielte Abwerbung an bestehenden Verkaufsstellen, Betriebs-"Besuche", ohne sich vorzustellen, ohne einen Guten Tag zu wünschen, ärmlich.
Und, nicht zuletzt, was bedeutet eigentlich "ökologisches Investment"? Haben Sie ihr Geld "grün" angelegt und wissen Sie auch, wer oder was damit finanziert wird, und ist das auch in Ihrem Interesse? Vielleicht wäre es ehrlicher, so manche Anlage direkt in die Rüstung zu Investieren...
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Der kleine Unterschied:
Was sind die Stärken des Fachhandels, der Bioläden, was unterscheidet uns von einem Discounter, einem Bio- Discounter, den Bio- Ecken im konventionellem Supermarkt?
1.Unser Anspruch:
Naturkostläden sind Geschäfte mit einem weitgehenden Qualitätsanspruch und sie treffen Entscheidungen im Zweifel im Sinne dieses Anspruches und gegen die kurzfristige Wirtschaftlichkeit.
Wir meinen es also ernst. Unser Anspruch geht hinsichtlich der Produktqualität um Grössenordnungen weiter als der Qualitätsanspruch an normale Lebensmittel. Dieser Anspruch geht zudem weit ins Politische und Kulturelle, und hier unterscheidet sich unser Anspruch erheblich von dem eines Discounters, oder dem des LEH-fachchinesisches Kürzel für: LebensMittelEinzelhandel, der seinen eigenen Wertvorstellungen nach unpolitisch ist (dies stellt, immer noch geprägt durch die Naziherrschaft, im LEH einen positiven (!) Wert dar). Dieser Anspruch "Naturkost" mit allen Neben- und Untertönen steht bei uns im Mittelpunkt der Geschäftspolitik und -aktivität und betrifft nicht nur ein Randsortiment.
2.Unsere Persönlichkeit
Was Naturkostläden verteten, leben deren Inhaber und ein Grossteil des Personals selbst vor. Diese Übereinstimmung von privatem und geschäftlichem Verhalten, von Anspruch und Wirklichkeit in den Personen, macht den entscheidenden und nahezu uneinholbaren Vorsprung der Naturkostläden aus, wo dieser Anspruch tolerant, offen, mit Spass und Lebensfreude vorgetragen wird. Das ist eine Einladung an alle, ihren Lebensstil durch neue Aspekte zu bereichern.
Bioläden sind Geschäfte, in denen es Inhaber GIBT, nicht nur Angestellte. Es sind Geschäfte, in denen sowohl Inhaber als auch Angestellte sich für das Sortiment persönlich engagieren und sich damit identifizieren. Wir sind alles andere als anonym, sondern wir sind als Personen greifbar. Diese Personalisierung von Anspruch und Leistung ist unserer bedeutendster Erfolgsfaktor.
Betreiber, die selbst Quereinsteiger sind, oder, wenn das hastig zusammengeklaubte Personal den Anspruch und die Kompetenz nicht vertreten können, die als Umfeld für Naturkost unerlässlich sind, können uns Bioladnern nicht das Wasser reichen.
Wenn auch der Faktor "Persönlichkeit" alle Marken und Siegel gegenwärtig und wohl nach lange übertrifft, so war und ist es doch unumgänglich, den erhobenen Anspruch auf Dauer nicht nur durch persönliche Versprechen, sondern durch nachvollziehbare Richtlinien und wirksame Kontrollen zu untermauern. Bei der Breite und Tiefe des heutigen Warenangebotes versetzt erst die durch Gesetze, Richtlinien und Kontrollen geschaffene Markt- und Qualitätstransparenz uns Bioladner in die Lage, dem Verbraucher eine persönliche Garantie über die Qualität unseres Sortimentes zu machen.
Ohne die entsprechende Vor- und Mitarbeit von Verbänden, Grosshandel und Kontrollstellen wäre eine solche Garantie unseriös, selbst bei unserem Anspruch an Regionalität, kennen wir "unsere" Bauern doch schon seit teilweise über 25 Jahren.
Auch wenn Verbraucher bei all dem nicht durchblicken, ist es doch entscheidend, dass die Inhaber und das Personal der Geschäfte es tun und so den Eindruck glaubwürdig vermitteln, vertrauenswürdige Menschen und Unternehmer zu sein.
3.Die Information:
Naturkostgeschäfte sind Geschäfte, die ihre Kunden qualifizieren.
Wir bieten Informationen und Problemlösungen für eine ökologischere, gesündere Lebensweise und einen Weg zu "echter" Lebensfreude.
Diese Aufklärungsarbeit hat bis heute unzähligen Menschen geholfen, mit bestimmten Aspekten ihres Lebens besser zurecht zu kommen und diese Aspekte sind nicht einmal auf Umwelt und Ernährung beschränkt. Das Angebot an Informationen, Qualifizierung und Lebenshilfe umfasst die Aufklärung über den Gebrauch und Nutzen von Produkten, Ernährung, Pflege und Haushaltsführung und reicht bis weit in den Bereich der Werteorientierung, Spiritualität und persönlichen Lebensgestaltung.
4.Der Nutzen:
Nutzen ist alles, was der Verbraucher als für sich verwertbare Leistung empfindet. Das ist zunächst die gesundheitliche und die Umweltqualität des Sortiments, aber auch die Genussqualität. Unsere Kunden honorieren durchaus auch das, was ihnen nur indirekt oder einfach anderen nützt, Regionalität und fairer Handel z.B..
Ausserdem gute Erreichbarkeit, angepasste Öffnungszeiten, Frische bei Brot, Obst, Gemüse,..., Schnelligkeit, Auswahl, Service, Lieferservice, Beratung, Bedientheken, Freundlichkeit, gute Preise.
Gute Preise ALLEINE sind nicht der entscheidende Erfolgsfaktor. Reduziert man ein Konzept darauf, bleibt ein normales Lebensmittelgeschäft übrig - und dieses findet sich in direkter Konkurrenz mit dem normalen LEH, der hinsichtlich der Preise einen erheblichen Vorsprung hat.
Der Besuch in einem Naturkostgeschäft ist für viele zudem ein positiver Erlebniskauf und eine wohltuende Alternative zum grossräumigen Einkaufszentrum.
Und er ist natürlich auch eine Gewissensangelegenheit, denn der Bioladen ist eine Gelegenheit, politisch korrektes Handeln mit einem persönlichen Vorteil zu verbinden.
5.Die Originalität:
Bioläden sind originell, wir unterscheiden uns in Auftritt, Ambiente und Stil sichtbar von Discountern und vom normalen Handel. Naturkostläden haben eine wärmere Atmosphäre, riechen meist besser, verwenden angenehmere, ökologische Materialien und Farben, etc.
momo-raoul
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